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Gräberfelder der Bombenopfer 1943 und 1944 auf Stuttgarter Friedhöfen


Am 12. Oktober 1944 verfügt Strölin, dass alle zivilen Gefallenen von Luftangriffen  nur noch auf dem Hauptfriedhof Steinhaldenfeld und  nur noch die Militärpersonen auf dem Ehrenfeld des Waldfriedhofes beigesetzt werden. Die Beisetzung erfolgt nicht in Massengräbern, sondern in Reiheneinzelgräbern.


Gräberfeld der Fliegeropfer auf dem Friedhof Steinhaldenfeld. 
Auf dem Steinhaldenfeldfriedhof wurden auch die zu Tode gekommenen alliierten Bomberpiloten beigesetzt. Diese wurden nach dem Krieg in ihre Heimat überführt.

Chronologie des Stuttgarter Luftschutz Seite 4

12./13.Oktober 1941 und 5. Mai 1942  Scheinanlage Brasilien, ein Nachbau des Stuttgarter Hauptbahnhofes, in Laufen a.N. wird angegriffen. In Laufen brennen dabei 40 Häuser ab. Bis zum Herbst 1942 blieb Stuttgart vor weiteren Bombardierungen verschont. Die Flak-Geschütze konnten die inzwischen aus 10000 Meter hoch anfliegenden Bombern nicht erreichen. So stand fest, dass man Stuttgart verstecken muss.
Am 10. April 1942 wird das Neckartal gegen den Willen der Stadtverwaltung von einer Spezialeinheit des Luftgaukommandos Süd künstlich vernebelt. Der  Verneblungsstoff  Chlorsulfonsäure hatte aber zur Folge, dass es bei der Vegetation zu schweren Schäden kam. Gegen die Folgen gab es von den Obst und Gemüsebauern 300  Schadensersatzansprüche, die aber alle aus wichtigerem Grund abgelehnt wurden. Strölin hatte sich lange gegen die gesundheitlich nicht unbedenkliche Maßnahme für ganz Stuttgart gestemmt, die zunehmenden Angriffe stellten seine Bedenken zurück. So wurden 47 Nebelschleudermaschinen im September 1942 aufgestellt
25. April 1942 Fertigstellung eines Richtstollens für den Wagenburgtunnel
19. Juni 1942
  Die Schillerstatue am Schillerplatz von Thorwaldssen wir demontiert und in den Wagenburg-Tunnel gebracht und übersteht dort unbeschadet den Krieg
1. August 1942 erster Fliegeralarm bei Tag
28. September 1942 Die Vernebelung wird mit einem neuen Mittel (Ammoniumchlorid) erneut getestet. Mit dieser Chemikalie treten keine Korrosions- und Vegetationsschäden mehr auf. 
6. Oktober 1942 Bei einer Übung wird mit diesen Mittel der Talkessel  mit einem dichten Schleier aus 47 Nebelquellen überzogen. Die Zuteilung des neuen Mittels ergab aber große Schwierigkeiten und erst nach Intervention von Oberbürgermeister Karl Strölin bei Gauleiter Murr bewilligt. Erst gegen Ende 1942 konnte das Verneblungsmittel flächendeckend eingesetzt werden. Bis zum Herbst 1942 blieb Stuttgart vor weiteren Bombardierungen verschont. Die Flak-Geschütze konnten die inzwischen aus 10.000 Meter hoch anfliegenden Bombern nicht erreichen. So stand fest, dass man Stuttgart verstecken muss. Die Daimler Werke nebelten sich schon lange ein.
Britische Bomber finden am 20. Dezember auf Grund der Einnebelung nicht..
Am 13. Januar 1943 gibt es 43 Verneblungsstellen in Feuerbach, 32 in Bad Cannstatt, 23 in Gablenberg, Ostheim und Gaisburg. Der Beschluss am 19. März 1943 weitere Verneblungsanlagen  in Kaltental, Heslach und Vaihingen aufzubauen werden nur noch teilweise umgesetzt. Es wurde dort jeweils nur eine Nebelschleuder aufgestellt. Auf den Fildern fehlte auch der natürliche Nebel mit dem sich der künstliche verbinden konnte.
24. März 1943, wurde auf Anordnung des Luftgaukommandos Süd der 36 Meter hohe Hasenbergturm (erbaut 1879 durch Verschönerungsverein)  und des Degerlocher Aussichsturm durch die SS gesprengt, gefangengenommene Flieger hatten berichtet, dass diese als Markierungshilfe für ihre Angriffe dienten..
Im Frühjahr 1943 sickerte ganz langsam durch, dass die Vernebelung nicht den gewünschten Erfolg hat, da die Flugzeuge sich inzwischen einer Technik bedienten, wo sie nicht auf Sicht angewiesen waren, dem Radar.
Am 6. April 1943 wird in der Stadtverwaltung ein Kriegsschädenamt eingerichtet, zuständig für die Sofortmaßnahmen der Schadensbeseitigung durch Bomben.Der Bau von Luftschutzanlagen wurde fieberhaft vorangetrieben. Die zunehmende Materialknappheit setzte aber enge Grenzen. Stuttgart war aus der 2. Welle des Bunkerbaus herausgenommen worden. So bildeten sich Luftschutzgemeinschaften als Notgemeinschaften, welche in Eigenregie Pionierstollen in die Hänge von Stuttgart errichteten. Dies geschah in der Freizeit der Menschen.
19. April 1943 Die zunehmenden Schäden durch Luftangriffe veranlasst die Verwaltung ein Kriegsschädenamt einzurichten
7./8.Mai 1943 Die Kinderlandverschickung wird mit 90 Kindern gestartet. Sie werden nach Freudenstadt und Calw evakuiert.
Mitte Mai  wurde ein Prototyp eines Pionierstollens in Botnang erstellt, da es dort keinerlei Bunkeranlagen gab
8. August 1943 Der Polizeipräsident gibt bekannt, dass Kelleröffnungen mit nicht brennbaren Materialen (z. B. Ziegelsteinen) zu verschließen sind.
Ende August 1943 lagen bereits 148 Anträge auf Bau eines Pionierstollens vor.
6. September 1943 Erstmals greifen US Flugzeuge in den Luftkrieg in Stuttgart ein und bombardieren Stuttgart bei Tag. Mehr als die Hälfte von den 107 Toten kamen in ihren Kellern bei diesem Angriff um.
29. Oktober 1943 Die Reste zerstörter Gebäude werden beschlagnahmt damit sie für Luftschutzbauten zur Verfügung gestellt werden können
Dezember 1943 führt die Deutsche Reichspost die Eilnachrichtenkarte ein.
22. Februar 1944  Der Luftschutzleiter gibt bekannt, dass Flakfeuer ab sofort Fliegeralarm bedeutet.
15. März 1944   Die Beschriftungen mit Pfeilen zu den Notausstiegen an den Häusern wurde verpflichtend
23. Mai 1944 Strölin weist auf rund 470000 Luftschutzplätze und 4725 unterirdische Fluchtwege von insgesamt 26,7 km hin. Die Stadt hat 80 Großlöschteiche und 350 Selbstschutzteiche.
12./13. Juli 1944 Laut Stadtverwaltung sind bis zu bis diesem Zeitpunkt für den zivilen Luftschutz 11,8 Millionen Reichsmark zur Verfügung gestellt worden.
25. – 29. Juli 1944  Die sogenannten Vergeltungsangriffe auf die Vergeltungswaffen treffen die Stuttgarter Altstadt und zerstören diese komplett. Über den Stuttgarter NS-Kurier wird die Bevölkerung zu äußerster Sauerstoffdisziplin in den überfüllten Luftschutzräumen aufgefordert. Am 25. wurde die Fluko in der Fürstenstraße getroffen, dabei kamen 93 Diensthabende ums Leben, darunter viele Luftwaffenhelferinnen.

21. April 1945  Kriegsende in Stuttgart

Mehr als die Hälfte des Gebäudebestandes Stuttgarts (57,5 Prozent) wurden bei 53 Luftangriffen zerstört. 67,8 Prozent der Wohngebäude (39125) und 75 Prozent der industriellen Anlagen waren bis Kriegsende unbrauchbar. 4.577 Zivilisten wurden getötet. 8875 wurden durch Luftangriffe verletzt und 85 Wehrmachtsangehörige. Rund fünf Millionen Kubikmeter Schutt und Trümmer müssen in der Stadt beseitigt werden

Anzahl der Luftangriffe                                                 53
Anzahl der Akuten Luftgefahr (ab 23. 3.1945)             13
Anzahl der Fliegeralarme                                           428
Anzahl der Luftwarnungen                                          472

Bilder vom zerstörten Stuttgart













Die Eilnachrichtenkarte mit roter Umrandung konnte nur an Angehörige mit ziviler Adresse kostenlos versandt werden. Karten mit grüner Umrandung konnten nur an Soldaten mit einer Feldpostnummer versendet werden. Voraussetzung für die kostenfreie Beförderung war, dass die bombardierte Stadt im Wehrmachtsbericht genannt wurde.


links zugemauertes Kellerfenster, rechts Notausstieg mit Stahltüre in der Pragstraße



Zahlen vom Mai 1944

7.216    Brandmauerdurchbrüche
4.725    Fluchtwege
19.300  Plätze in öffentl. Schutzräumen
68.180  Plätze in Bunkern
38.100  Plätze in Beton-Stollen oder Tunneln
42.000  Plätze in Pionierstollen
4.500    Plätze in Deckungsgräben

477.000 Häusliche Schutzplätze
352.000 Einwohner