Die Nachkriegsnutzung
Nach dem Krieg diente der Bunker als Lagerraum für das „Kaufhaus für Alle“. Zur weiteren Verbesserung der Hotelsituation und auf Druck der amerikanischen Besatzungsmacht, wurde ein Pächter für den Bunker unter dem Wilhelmsplatz gesucht. Bis zum 15. August 1947 konnte der Bunker geräumt werden, da die Aufbauphase mit entsprechenden Lagerräumen für das Kaufhaus bis zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen werden konnte. Unter den Bewerbern als Hotelier war auch der Fußballspieler Conen, der den Zuschlag aber nicht bekam und erst beim Rosensteinbunker zum Zuge kam. Am 16. Juni erhielt Josef Bleyer, damals wohnhaft in der Cottastraße 57 den Zuschlag. Die Pacht betrug für 31 Kabinen, einem Aufenthaltsraum, 2 Maschinenräume, Waschräumen und Aborten 650 RM je Monat. Es handelte sich dabei um einen Festbetrag. Die Pachtzeit war auf 5 Jahre festgelegt. Der Vertragspartner bei der Stadt war das Tiefbauamt, da sich die Bauwerke unter der Erde befanden. Frau Bleyer konnte die Erfahrung von 15 Jahren als Geschäftsführerin des Hotels Rauh einbringen. Das Hotel wurde am 6. Oktober 1947 eröffnet. Bis September 1948 war in diesem Bunker auch noch die Schutzpolizei untergebracht. Die Beamten hatten mit den Verhältnissen in diesem Bunker sehr zu leiden. So war kein ungestörtes Verhör möglich, da das laute Öffnen und Schließen der Schutztüren kein konzentriertes Arbeiten erlaubte. Ende 1948 erhielten die Beamten einen neuen Massivbau im Akademiegarten.
Die Übernachtungsgebühren im Hotel betrugen je Übernachtung 5,75 RM, das Frühstück 75 Rpf. Der Preis war vom Wirtschaftsamt der Stadt Stuttgart, wie bei allen anderen Bunkerhotels festgelegt worden. Die Einrichtung für den Hotelbetrieb konnte mit Hilfe von Bezugsscheinen aus Minden beschafft werden. Zum 1. Oktober 1953 wurde der Vertrag dann gekündigt, da eine verstärkte Nachfrage nach Wohnraum für Flüchtlinge bestand. Bleyer wurde eine Nachfrist bis zum Februar 1954 eingeräumt, da er ab diesem Zeitpunkt ein anders Gastronomieobjekt übernehmen konnte. In den Wilhelmplatzbunker zogen Flüchtlinge ein, betreut von der Caritas.