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Vor Beginn der Stuttgart 21 Baumaßnahmen
Geschichte und Geschichten, Wagenburgtunnel

Schwierigkeiten beim Bau
Schon beim Bau des Stollens waren die Bauleute irritiert, dass ihre Messergebnisse über die Stollenhöhe ständig schwankten. Die Werte gingen ständig rauf und runter. Sie vermuteten Fehler in ihren Messgeräten Nach einiger Zeit stellten sie fest, dass der Berg sich bewegte. Der Boden der Stollensohle hob und senkte sich.
Film vom Bau

Unmenschlichkeit nicht überall
Das Verbot, dass Ostarbeiter in keine Luftschutzräume durften, wurde nicht überall beachtet. Die bei der Strickwarenfabrik Kübler in Ostheim einhundert beschäftigten Polinnen gingen in den Wagenburgtunnel; dort durften sie sich allerdings nicht in das Innere des Stollens setzen, sondern durften sich nur im Eingangsbereich aufhalten.

Unterbringung der Fluko
Nach der Zerstörung der Fluko (Fernflugwachkommando) 25.Juli 1944 in der Fürststraße hinter dem Königsbau, bei der 45 Flakhelferinnen und Wehrmachtsangehörigen ums Leben kamen, wurde diese vorübergehend unter dem Neuen Schloss und dann in den Wagenburgtunnel untergebracht. Die Nachrichtenkompanie wurde dann letztendlich nach Renningen bis zum Kriegsende untergebracht.

Regelung über die Notdurft
Im Wagenburgstollen gab es 21 Toiletten mit Wasseranschluss die auch an die Kanalisation angeschlossen waren. Davon waren 3 im Bereich der Fluko, 2 für die Kreisleitung, 2 in der Polizeizentrale, 2 beim Warnkommando und 12 in der Südröhre. Dazu gab es zahlreiche Notabborte die jeden Morgen durch Ostarbeiter entleert wurden.An Tagen mit Luftschutzalarmen gab es eine zusätzliche Leerung. Zuständig dafür war das Städtische Fuhramt.

Tote vor dem Stolleneingang
Am 12. Februar 1945 wurde Stuttgart durch ca. 30 Bomber angegriffen. Dabei kamen 68 Menschen ums Leben und 139 wurden verletzt. 30 Tote gab es alleine vor dem Wagenburgtunnel. Die Menschen hatten auf dem Weg vom Hauptbahnhof in den Stollen ihr rettendes Ziel nicht mehr erreicht und kamen direkt vor dem Stolleneingang zu Tode. Bedingt durch die Bauweise des Bauwerkzugangs im Zickzack-System,erlaubten dass nur schmale Eingänge links und rechts möglich waren. Dadurch kamen die Menschen nicht schnell genug herein. Es herrschten hier immer ein großes Gedränge.

Der Weg zum Tunnel reichte nicht3
Bewohner des Ostendstraße gingen immer zum Wagenburgtunnel. Die oft kurzen Vorwarnzeiten reichten diesen Menschen nicht den Wagenburgtunnel zu erreichen, bevor die alliierten Flugzeuge mit der Bombardierung begannen. Sie suchten deshalb Schutz im Luftschutzkeller der Firma Brauburger & Karst in der Fuchseckstraße. Manche Leute gingen ab Mitte 1944 regelmäßig abends gegen 18 und 19 Uhr in den Tunnel. Es entwickelte sich ein ungeschriebenes Gesetz, dass man sich immer auf den gleichen Platz setzte, keiner setzte sich auf den Platz eines anderen.4

Der Tunnel als Fußweg nach dem Krieg
Um von Gaisburg in die Stadt zu gelangen, konnte man in der ersten Zeit nach dem Krieg noch durch den Wagenburgtunnel gehen. Unterhalb der Wagenburgschule war eine riesige Baugrube in der der Rohbau der Einfahrt der heutigen Röhre stand, aber schon Platz für die nie gebaute zweite Röhre war. Der Durchgang war sicher gefährlich und verboten, aber das kümmerte zunächst niemand. Später zerstörte ein Brand die Holzeinbauten und der Durchgang wurde geschlossen bis die Arbeiten für den Weiterbau des Straßentunnels 1957 begann.


Am Boden kann man gut die Sohlerhebung erkennen, die bei der Erbauung Messschwierigkeiten bereitet hat.     Foto: Tiefbauamt Stuttgart

Schutz für Theaterbesucher
Ein großes Problem war geeignete Luftschutzräume für die Besucher der Württembergischen Staatstheater zu finden. Eigentlich sollten dafür 2450 Plätze bereit stehen - tatsächlich gab es dafür nur für 450 Personen Platz.. Im September 1942 beantragte das Bezirksbauamt beim Polizeipräsidenten den Wagenburgtunnel als ausge-wiesenen Luftschutzraum für die Theaterbesucher nutzen zu dürfen. Zwei Tage später wurde dieser Antrag genehmigt6.