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Der Diakonissenplatz
I

Diakonissenbunker, Kommandostelle der Stadt

Der Bunker im Zweiten Weltkrieg
Schon während seiner Bauphase wurde ein Flügel  als Rettungsstelle für Luftangriffsgeschädigte konzipiert. Ein weiterer Flügel dient als Kommandostelle für den Luftschutz. Hier wurden nach einem Angriff die Rettungsmaßnahmen durch den SHD koordiniert. Auch die Luftmeldeschule für Luftwaffenhelferinnen mit meist dienstvepflichteten jungen Mädchen war in diesen Räumen untergebracht. Der dritte Flügel wurde für die umliegenden Bewohner als Schutzraum genutzt. In der Mitte des u-förmigen Bauwerkes wurde eine Zisterne für 600 m³Löschwasser angelegt.

Die Nachkriegsnutzung
Zuerst als Lagerraum für Hilfssendungen für die Caritas genutzt, wurde der Ruf der Amerikaner nach einem weitern Hotel laut. Nach den guten Erfahrungen mit dem Marktplatzhotel drangen die Amerikaner, auf Grund auch eigener Bedürfnisse, auf eine weitere Eröffnung einer Unterkunft. Die Wahl viel auf den Diakonissenbunker. Am 13. Juni 1947  fasste der Wirtschaftsauschuss des Stuttgarter Gemeinderates den Beschluss den Bunker an  Fritz Arzt zu verpachten. Am 10. Januar 1948 sollte er mit 10 Betten in Betrieb gehen. Es gab offensichtlich Probleme das nötige Inventar zu besorgen. Nach mehrmaliger Aufforderung durch die Stadtverwaltung nach der innbetriebnahme, wurde der Hotelbetrieb am 1. März 1948 aufgenommen. 1949 kostete eine Übernachtung 5,75 DM. Die Pacht für das Bauwerk betrug 300 DM pro Monat. Da ein größerer Hotelbetrieb nicht umgesetzt wird, wurde das Pachtverhältnis rasch wieder gekündigt. Der Hotelbetrieb endete 1952.  
Das Bauwerk wurde kurzfristig als Unterkunft für Flüchtlinge zur Verfügung gestellen. In einem Flügel des Bunkers waren Lagerräume für die Stuttgarter Polizei und die Heilsarmee nutzte ein Teil für die Unterbringung von Männern. Nach dem Auszug der letzten Wohnsitzlosen blieb das Bauwerk mehr oder weniger sich selbst überlassen. Anfangs der 70er Jahre nutzten Bands aus der Stuttgarter Musikszene den Bunker als Probenraum und zu Partyzwecken, wie die "Band Müll".
Am 23. Oktober 1953 eröffnete auf dem Platz die erste Jugendverkehrsschule der BRD. Das Gebäude wurde von der Firma Robert Bosch gestiftet. Besonders beliebt war bei den Jungen eine kleine Tankstelle.

Der Bunker im Kalten Krieg
Von 1980 bis 1985 wurde das Bauwerk für die Belange des Kalten Krieges umgebaut. Das Bauwerk wurde am 29.10.1985 vom Staatl. Hochbauamt III an die Stadt Stuttgart übergeben. Die Stadtverwaltung erhielt in einem Flügel eine Ausweichführungsstelle eingerichtet. Zum ersten Mal genutzt wurde dieser Teil bei der WINTEX/CIMEX Übung 1987. Grundlage dafür war ein Erlass des Stuttgarter Regierungspräsidium, dass alle Stadtkreise eine geschützte Befehlsstelle einrichten mussten, um die Verwaltungsfunktionen auch in Krisenfällen zu gewährleisten. Deshalb wurde in dieses Bauwerk eine Fernmeldezentrale eingebaut und diente zur Unterbringung eines Krisenstabes. Die Kosten für die Umbaumaßnahmen und für die Einrichtung betrugen ca. 1.400.000 DM.
Seit 2015 ist der Bunker aus der Zivilschutzbindung entlassen und sämtliche Einbauten wurden entfernt. Teile der Einrichtung, wie z.B. der Funktisch sind im Bunkermuseum in Feuerbach (BW 2)  im Rahmen einer Führung zu besichtigen.

 

Bilder aus dem Bunker

Duschen im "Erste Hilfe Bereich" 

Oper im Bunker
Am 10.7.2007 führte die Staatsoper Stuttgart in diesem Bauwerk eine Oper von Fredrik Zeller mit dem Titel „U-Musik.Bunker“ auf, dramaturgisch betreut von Dramaturg Xavier Zuber. Dieses Projekt war Teil der Veranstaltungsreihe "zeitoper" in der zeitgenössisches Musiktheater an ungewöhnlichen Orten der Stadt realisiert wurde. Die Musik wurde eigens für dieses Projekt komponiert. 60 Personen nahmen damals  an dieser Veranstaltung teil und wanderten durch das Bauwerk. Heute, unter den verschärften Brandschutzbedingungen, wäre dies nicht mehr möglich. Tagelang waren die technischen Abteilungen damit beschäftigt, den Bunker für die Opernaufführung  zu präparieren.
Regie: Sven Holm, Musikalische Leitung: Stefan Schreiber